Wechseljahre natürlich begleiten: Alternativen zu Hormonen

Wechseljahre natürlich begleiten: Alternativen zu Hormonen

Du leidest unter den typischen Beschwerden der Wechseljahre, möchtest aber nicht auf die klassische Hormonersatztherapie (HET) zurückgreifen? Obwohl HET oft wirksam ist, ist sie nicht für jede Frau geeignet oder gewünscht. Deshalb rücken pflanzliche Alternativen zunehmend in den Fokus: Präparate aus Soja, Rotklee, Traubensilberkerze oder Shatavari gewinnen immer mehr an Beliebtheit.

In diesem Beitrag erfährst du, wie diese Substanzen im Körper wirken, ob sie eine gute Alternative zur HET darstellen und worauf du bei der Anwendung achten solltest.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Beschwerden der Wechseljahre, wie Hitzewallungen, lassen sich oft mit der Hormonersatztherapie lindern, doch nicht jede Frau möchte oder kann Hormone nehmen.
  • Präparate aus Soja, Rotklee, Traubensilberkerze oder Shatavari werden immer beliebter und stellen eine mögliche sanfte Alternative dar.
  • Die pflanzlichen Mittel wirken teils hormonähnlich und können zusätzlich über andere Mechanismen die Beschwerden positiv beeinflussen.
  • Sprich die Einnahme unbedingt mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab, vor allem bei Vorerkrankungen oder gleichzeitiger Medikamenteneinnahme.

 

Was ist die Hormonersatztherapie (HET)?

Die Hormonersatztherapie ist eine medizinische Behandlung, bei der Östrogene (oft zusammen mit Gestagenen) gezielt eingesetzt werden, um den Hormonmangel während der Wechseljahre auszugleichen.

Da der Östrogenspiegel in dieser Phase stark abfällt, entwickeln etwa 80 % der Frauen mäßige bis starke Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafprobleme oder Stimmungsschwankungen. Die HET kann helfen, diese Symptome effektiv zu lindern und den Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen (1).

Zu den häufigsten Beschwerden zählen:

•    Hitzewallungen und Schweißausbrüche
•    Vaginale Trockenheit
•    Schlafstörungen
•    Depressive Verstimmungen (2).

Die Hormonersatztherapie gilt als besonders effektiv in Linderung von schweren Beschwerden. Sie wird heute jedoch aufgrund möglicher gesundheitlicher Risiken, darunter ein erhöhtes Risiko für Thrombose, Brustkrebsrisiko und kardiovaskuläre Ereignisse nur noch zur kurzfristigen Behandlung vasomotorischer Symptome (Hitzewallungen, Schweißausbrüche) empfohlen (3).

Warum suchen viele Frauen natürliche Alternativen?

Es gibt verschiedene Gründe, warum Frauen nach natürlichen Alternativen zu HET suchen:

  • Angst vor Nebenwirkungen: Seit die Women's Health Initiative (WHI) Anfang der 2000er Jahre mögliche Risiken einer langfristigen Hormonersatztherapie aufgezeigt hat, sind viele Frauen vorsichtiger geworden.
  • Medizinische Kontraindikationen: Nicht jede Frau darf Hormone einnehmen. Bei bestimmten Vorerkrankungen, etwa Brustkrebs oder Thrombose, ist die HET nicht geeignet.
  • Wunsch nach sanfteren Methoden: Viele Frauen bevorzugen einen natürlicheren Ansatz und möchten ihren Körper mit pflanzlichen Mitteln unterstützen.
  • Nur kurzfristige Lösung: Da die HET nur noch kurzfristig empfohlen wird, suchen Frauen nach langfristig nutzbaren Alternativen (4).

Natürliche Alternativen zur HET: Ein Überblick

Unter natürlichen Alternativen zur Hormonersatztherapie versteht man hauptsächlich pflanzliche Präparate, die auf verschiedene Weise bei Wechseljahresbeschwerden unterstützen können.

Die am häufigsten verwendeten pflanzlichen Mittel sind:

  • Isoflavone (aus Soja und Rotklee)
  • Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa)
  • Shatavari (Asparagus racemosus)
  • Hopfen, Leinsamen, Johanniskraut 

Die meisten dieser Mittel sind als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich und können problemlos in Apotheken, Drogerien oder online gekauft werden. Die Kosten müssen in der Regel selbst getragen werden, da die gesetzliche Krankenversicherung sie nicht übernimmt (3). Im folgenden Abschnitt erfährst du, welche Substanzen besonders beliebt sind und was man aktuell über ihre Wirkung weiß.

Isoflavone aus Soja & Rotklee: Pflanzliche Phytoöstrogene im Fokus

Isoflavone sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zur Gruppe der Phytoöstrogene gehören. Sie kommen besonders reichlich in Sojabohnen und Rotklee vor. Die wichtigsten Isoflavone sind Genistein, Daidzein und Glycitein.

Isoflavone haben eine ähnliche chemische Struktur wie das körpereigene Östrogen und passen deshalb in die gleichen "Andockstellen" im Körper. Dadurch können sie einen Teil der Östrogen-Wirkung nachahmen, jedoch schwächer. Besonders interessant: Sie binden bevorzugt an den Östrogenrezeptor Beta (ERβ), der vor allem im Herz-Kreislauf-System, im Urogenitaltrakt und in Knochen vorkommt (4).

Good to know: Studien zeigen, dass der Verzehr von Soja und Sojaprodukten im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung nicht zu einem übermäßigen Anstieg von Östrogen im Körper führt, also keine Östrogendominanz begünstigt (10).

Was zeigen Studien zu Isoflavonen?

  • Studien zeigen, dass hoch dosiertes isoliertes Genistein Hitzewallungen reduzieren kann, während niedrig dosiertes Genistein keinen signifikanten Effekt zeigt (3)
  • Eine Meta-Analyse fand eine Reduktion der Häufigkeit von Hitzewallungen um 20,6 % und ihrer Intensität um 26,6 % (5)
  • Ein Kräuterpräparat mit 72 mg Isoflavonen aus Sojabohnen und Rotklee zeigte über sechs Monate eine signifikante Reduktion von Hitzewallungen (4)
  • Studien zeigen, dass Rotklee-Extrakte auch vaginale Trockenheit lindern können (6)

Einschränkungen:

  • Niedrig dosierte Produkte zeigen keinen signifikanten Effekt 
  • Die Wirkung hängt stark von der Dosierung und der spezifischen Zusammensetzung der Isoflavone ab

Ein möglicher Grund für die verschiedenen Studienergebnisse könnte die individuelle Verwertung der Isoflavone sein. Forschende vermuten, dass vor allem die Zusammensetzung der Darmflora eine Rolle spielt. So können mehr als die Hälfte der asiatischen Frauen Isoflavone effektiv umwandeln, während dies bei weniger als 20 % der europäischen Frauen gelingt (3, 4).

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa)

In der Traubensilberkerze wurden drei Hauptgruppen von Inhaltsstoffen identifiziert, die vermutlich für ihre Wirkung verantwortlich sind. Dazu zählen phenolische Verbindungen wie Ferula- und Isoferulasäure, außerdem sogenannte Triterpenglykoside (z. B. Actein und 26-Deoxyactein) und die Gruppe der Phenylpropanoide. 

Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass die Pflanze über folgende Mechanismen wirken kann:

  • Bindung an Serotoninrezeptoren, die Stimmung und Temperaturregulation beeinflussen
  • Aktivität an Opioidrezeptoren, die bei Hitzewallungen eine Rolle spielen
  • Beeinflussen von bestimmten Bereichen im Hypothalamus, die für die Regulierung der Körpertemperatur zuständig sind (5, 7)

Was zeigen Studien zur Traubensilberkerze?

  • Mehrere Studien zeigen, dass Traubensilberkerze Hitzewallungen reduzieren kann, besonders deren Schweregrad und wie belastend sie empfunden werden (3)
  • Eine größere Übersichtsstudie zeigte deutliche Verbesserungen bei Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und Schlafstörungen (7)

Für die Traubensilberkerze gibt es inzwischen auch eine offizielle Einordnung: Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat Präparate mit einem standardisierten Traubensilberkerzen-Extrakt zur symptomatischen Behandlung von Wechseljahresbeschwerden zugelassen (5).

Shatavari (Asparagus racemosus)

Shatavari ist ein Kraut aus der ayurvedischen Medizin, das traditionell zur Förderung der weiblichen Gesundheit eingesetzt wird. 

Die Wurzel enthält:

  • Steroide Saponine (Shatavarins) als Hauptwirkstoffe
  • Phytoöstrogene, 
  • Flavonoide und Alkaloide
  • Quercetin-Glykoside (8)

Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig erforscht, aber Studien deuten auf mehrere mögliche Effekte hin:

  • Hormonmodulierend: Die Phytoöstrogene können an Östrogenrezeptoren binden und hormonelle Aktivitäten ausgleichen
  • Einfluss auf die HPO-Achse: Die Verbindung zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Eierstöcken wird möglicherweise positiv beeinflusst, wodurch hormonelle Ungleichgewichte ausgeglichen werden könnten (8)
  • Adaptogene Wirkung: Shatavari kann dem Körper helfen, besser mit Stress umzugehen (9)

Was zeigen Studien zu Shatavari?

  • Eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 70 Frauen zeigte eine signifikante Reduktion von Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlaflosigkeit, Angst, Nervosität, vaginaler Trockenheit und Libidoverlust (8)
  • Eine weitere Studie fand signifikante Verbesserungen bei Hitzewallungen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und wahrgenommenem Stress (9)
  • In den Studien wurden keine nennenswerten Nebenwirkungen berichtet, was auf ein gutes Sicherheitsprofil hindeutet (8)

Hinweis: Die klinische Evidenz für Shatavari ist noch begrenzt. Weitere Studien mit längerer Dauer und größeren, diversen Stichproben sind notwendig, um die Wirkung und Sicherheit umfassend zu bewerten.

Worauf solltest du bei der Anwendung achten?

Wenn du natürliche Alternativen zur Hormonersatztherapie ausprobieren möchtest, beachte folgende Punkte:

  1. Qualität der Produkte:
    •    Achte auf standardisierte Präparate mit definiertem Wirkstoffgehalt
    •    Wähle Produkte von seriösen Herstellern mit Qualitätssiegeln
    •    Bio-Qualität kann Pestizidrückstände vermeiden
  2. Geduld haben:
    •    Pflanzliche Mittel wirken oft nicht sofort
    •    Erste Effekte können sich nach 2–4 Wochen zeigen
    •    Die volle Wirkung tritt oft erst nach 8–12 Wochen kontinuierlicher Einnahme ein
  3. Ärztliche Beratung ist notwendig:
    •    Besprich die Einnahme pflanzlicher Präparate mit deinem Arzt oder deiner Ärztin, besonders bei Vorerkrankungen
    •    Manche Präparate können mit Medikamenten wechselwirken
  4. Realistische Erwartungen:
    •    Natürliche Alternativen können Beschwerden lindern, aber sie sind nicht bei allen Frauen gleich wirksam
    •    Sie ersetzen in der Regel nicht vollständig die HET
    •    Die Wirkung ist oft milder als bei hormonellen Präparaten

Trotz intensiver Forschung gibt es noch viele offene Fragen:

  • Langzeitwirkungen: Wie sicher sind pflanzliche Präparate bei jahrelanger Einnahme?
  • Optimale Dosierung: Welche Dosis ist für welche Beschwerden am besten geeignet?
  • Wechselwirkungen: Wie interagieren verschiedene pflanzliche Wirkstoffe miteinander?

Fazit

Beschwerden der Wechseljahren müssen dich nicht hilflos machen. Natürliche Präparate aus Soja, Rotklee, Traubensilberkerze oder Shatavari können dabei helfen, den Alltag wieder angenehmer zu gestalten.  Wichtig ist, auf hochwertige, standardisierte Produkte zu achten, die richtige Dosierung einzuhalten und Geduld zu haben, denn die Wirkung zeigt sich meist erst nach einigen Wochen. Außerdem solltest du die Einnahme immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen, um die für dich passenden Mittel sicher auszuwählen.

So kannst du die Wechseljahre selbstbestimmt und aktiv gestalten, dein Wohlbefinden stärken und diese Lebensphase bewusster erleben, statt dich von Beschwerden einschränken zu lassen.

 

Häufige Fragen

  1. Was sind natürliche Alternativen zur Hormonersatztherapie (HET)?
    Natürliche Alternativen sind vor allem pflanzliche Präparate wie Isoflavone, Traubensilberkerze oder Shatavari, die hormonähnliche Wirkungen haben können und Wechseljahresbeschwerden lindern sollen.
  2. Welche Beschwerden in den Wechseljahren können natürliche Mittel unterstützen?
    Pflanzliche Präparate werden vor allem bei Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und vaginaler Trockenheit eingesetzt.
  3. Wie wirken Isoflavone aus Soja und Rotklee?
    Isoflavone gehören zu den Phytoöstrogenen, die schwach östrogenähnlich wirken. Sie binden an Östrogenrezeptoren, vor allem ERβ, und können so z. B. Herz, Knochen und Urogenitaltrakt beeinflussen.
  4. Hilft Traubensilberkerze wirklich bei Hitzewallungen?
    Studien zeigen, dass Traubensilberkerze Hitzewallungen und Schweißausbrüche bei manchen Frauen lindern kann. Die Wirkung hängt aber von Dosierung, Präparat und individuellen Faktoren ab.
  5. Was ist Shatavari und wie wird es eingesetzt?
    Shatavari ist ein ayurvedisches Kraut, das traditionell zur Unterstützung der weiblichen Gesundheit genutzt wird. Es enthält Phytoöstrogene und andere Pflanzenstoffe, die hormonelle Balance und Stressresistenz beeinflussen können.
  6. Sind pflanzliche Präparate für jede Frau geeignet?
    Nicht alle Frauen sprechen gleich gut auf pflanzliche Mittel an. Vor Erkrankungen wie Brustkrebs oder Thrombose sollte man die Einnahme unbedingt ärztlich abklären.
  7. Wie lange dauert es, bis pflanzliche Mittel wirken?
    Erste Effekte können nach 2–4 Wochen auftreten, die volle Wirkung zeigt sich häufig erst nach 8–12 Wochen kontinuierlicher Einnahme.
  8. Können natürliche Alternativen die Hormonersatztherapie ersetzen?
    Pflanzliche Mittel können Beschwerden lindern, ersetzen die HET aber meist nicht vollständig. Ihre Wirkung ist oft milder, dafür sind die Risiken und Nebenwirkungen oft geringer.
  9. Worauf sollte man beim Kauf von pflanzlichen Präparaten achten?
    Wichtig sind standardisierte Präparate mit definiertem Wirkstoffgehalt, Produkte von seriösen Herstellern und Bio-Qualität, um Pestizidrückstände zu vermeiden.
  10. Welche offenen Fragen gibt es zur Wirksamkeit pflanzlicher Mittel?
    Unklar sind u. a. individuelle Unterschiede in der Wirkung, optimale Dosierungen, langfristige Sicherheit und mögliche Wechselwirkungen zwischen verschiedenen pflanzlichen Wirkstoffen.

Literatur
1.    Gava G, Orsili I, Alvisi S, Mancini I, Seracchioli R, Meriggiola MC. Cognition, Mood and Sleep in Menopausal Transition: The Role of Menopause Hormone Therapy. Medicina (Kaunas) 2019; 55(10). doi: 10.3390/medicina55100668.
2.    Santoro N, Roeca C, Peters BA, Neal-Perry G. The Menopause Transition: Signs, Symptoms, and Management Options. J Clin Endocrinol Metab 2021; 106(1):1–15. doi: 10.1210/clinem/dgaa764.
3.    Aidelsburger P, Schauer S, Grabein K, Wasem J. Alternative Methoden zur Behandlung postmenopausaler Beschwerden: DIMDI; 2012.
4.    Chen L-R, Ko N-Y, Chen K-H. Isoflavone Supplements for Menopausal Women: A Systematic Review. Nutrients 2019; 11(11). doi: 10.3390/nu11112649.
5.    Kenda M, Glavač NK, Nagy M, Sollner Dolenc M, On BOTO. Herbal Products Used in Menopause and for Gynecological Disorders. Molecules 2021; 26(24). doi: 10.3390/molecules26247421.
6.    Gościniak A, Szulc P, Zielewicz W, Walkowiak J, Cielecka-Piontek J. Multidirectional Effects of Red Clover (Trifolium pratense L.) in Support of Menopause Therapy. Molecules 2023; 28(13). doi: 10.3390/molecules28135178.
7.    Mohapatra S, Iqubal A, Ansari MJ, Jan B, Zahiruddin S, Mirza MA et al. Benefits of Black Cohosh (Cimicifuga racemosa) for Women Health: An Up-Close and In-Depth Review. Pharmaceuticals (Basel) 2022; 15(3). doi: 10.3390/ph15030278.
8.    Gudise VS, Dasari MP, Kuricheti SSK. Efficacy and Safety of Shatavari Root Extract for the Management of Menopausal Symptoms: A Double-Blind, Multicenter, Randomized Controlled Trial. Cureus 2024; 16(4):e57879. doi: 10.7759/cureus.57879.
9.    Mahajan S, Avad P, Langade J. Efficacy and Safety of Shatavari (Asparagus racemosus) Root Extract for Perimenopause: Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Study. Int J Womens Health 2025; 17:4057–73. doi: 10.2147/IJWH.S544267.
10.    Viscardi G, Back S, Ahmed A, Yang S, Mejia SB, Zurbau A et al. Effect of Soy Isoflavones on Measures of Estrogenicity: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Adv Nutr 2025; 16(1):100327. doi: 10.1016/j.advnut.2024.100327.